Rostock’s Eleven startet 2026 neu

10.06.2026 . - 11.06.2026
ganztätig
Ort: Rostock IGP und Kühlungsborn IAP

Die beteiligten Kandidatinnen und Kandidaten sowie ihre Themen

Judith Osterloh

Forschungslabor für Biomechanik und Implantattechnologie (FORBIOMIT) Orthopädische Klinik und Poliklinik | Universitätsmedizin Rostock

Ein falscher Schritt – ein „Plopp“ im Knie

Ein vorderer Kreuzbandriss ist eine der häufigsten Verletzungen im Sport, die meist mit Schmerzen, Operation und monatelanger Reha verbunden ist. Doch was, wenn sich das vordere Kreuzband gezielt stärken ließe? Neue Studien zeigen, je größer die Oberschenkelmuskulatur, desto größer das vordere Kreuzband. Ich untersuchte daher, ob Krafttraining nicht nur den Muskel, sondern auch das vordere Kreuzband vergrößert. Das Ergebnis: Ein Training mit niedrigen Lasten plus Blutflusseinschränkung (Manschetten) erhöhte signifikant das Kreuzbandvolumen und könnte neue Präventionsmöglichkeiten eröffnen.

Melanie Schuy

Institut für Grundschulpädagogik | Philosophische Fakultät | Universität Rostock

Passt mein Auto in diese Parklücke?

Längenschätzungen werden in vielen Alltagssituationen benötigt. Daher besteht ein Ziel des Mathematikunterrichts darin, dass Kinder am Ende ihrer Grundschulzeit Längen sachadäquat schätzen können. Während bisherige Forschung zeigt, dass es Kindern schwerfällt, eine hohe Schätzgenauigkeit zu erzielen, wurde die Schätzgeschwindigkeit bislang noch gar nicht in den Blick genommen. Um Kinder im Unterricht besser im Schätzen unterstützen zu können, untersuche ich im Rahmen meines Promotionsprojekts, wie Genauigkeit und Geschwindigkeit miteinander zusammenhängen und welche Faktoren beide Komponenten beeinflussen.

Steve Lebing

Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Lust auf Laufband – Schweine im freiwilligen Training

Dieses Promotionsprojekt schafft die methodische Grundlage für ein standardisiertes Gewöhnungs- und Trainingsprotokoll für die Nutzung eines angepassten Laufbands für Schweine. Die Tiere lernen dabei, das Laufband rein aus Eigenmotivation anzusteuern.

Genau dieses Setting erlaubt es, die Folgen dieser Bewegung zu erfassen und zu bewerten -von Veränderungen im Aktivitäts- und Sozialverhalten bis hin zu möglichen Effekten auf die Fleischqualität, die Gesundheit sowie dem Tierwohl.

Carl Bukowski

Thünen-Institut für Ostseefischerei

Take my breath away – Wie Sauerstoffmangel und Temperaturstress den Dorsch in Bedrängnis bringen

Kaum ein anderer Fisch ist so gut untersucht wie der Dorsch. Die Dorschbestände in der Ostsee sind jedoch trotz dieser Kenntnisse kollabiert und zeigen keinerlei Erholungsanzeichen, obwohl die Fischerei eingestellt ist. Offenbar spielen die Umweltbedingungen – Temperatur und Sauerstoff – inzwischen die entscheidende Rolle. Carl Bukowski gibt Einblick in die Entwicklung des Ökosystems Ostsee und zeigt, warum der Dorsch unter den derzeitigen Bedingungen wahrscheinlich nie wieder eine Ressource für Berufsfischer und Angler wird.

Marie Luise Voß

Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT)

»The music flees from Vienna – the music, the smile and the dance…« – Ausprägungen Wiener Musikkultur im US-amerikanischen Exil der 1930er und 40er Jahre

Das Exil war in den 1930er Jahren für hunderttausende Menschen in Europa die einzige Möglichkeit, den Nationalsozialisten zu entkommen. Die USA wurden für viele von ihnen zur neuen Heimat.

Im Zentrum meines Vortrags stehen Wiener Komponisten, die um 1938 ins US-amerikanische Exil geflüchtet sind. Einige von ihnen haben sich noch einmal künstlerisch mit ihrer Heimatstadt Wien beschäftigt – in Filmmusiken, Broadway-Musicals oder Orchesterwerken. Ziel meiner Forschung ist es, die Vielfalt der aufgegriffenen musikkulturellen Aspekte Wiens darzustellen und nach ihren jeweiligen Funktionen zu fragen. Diese reichen von individuellen biografischen Reflexionen bis hin zu Formen kultureller Transfers.

Nadine Müller

Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik Kühlungsborn (IAP)

Mit Lasern auf Kurs: Wie Lidar dazu beiträgt, die Schifffahrt auf der Ostsee sicherer zu machen.

Was, wenn die satellitengestützten Navigationssysteme aufgrund von Störungen oder Manipulationen versagen? Ist R-Mode der Retter in der Not? Dieses terrestrische Navigationssystem nutzt Radiowellen zur Positionsbestimmung und könnte als Backup genutzt werden. Doch Radiowellen breiten sich nicht immer gleich durch die Atmosphäre aus.

Mittels Laser durchschauen wir die Atmosphäre 30 bis 80 km über uns. Unsere Messdaten tragen dazu bei, zu berechnen, wann die Atmosphäre Schiffe vom Kurs abbringt, mit dem Ziel, die Navigation auf der Ostsee sicherer zu machen.

Mette Bluhm

Institut für Soziologie und Demographie | Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät | Universität Rostock

Der Wert von Zeit: Warum einige Familien mehr Zeit haben als andere

Welche systematischen Vor- und Nachteile haben Personengruppen in Bezug auf ihre Zeitnutzung? Um Zeitungleichheit in Familien zu beschreiben, betrachte ich in meiner Forschungsarbeit, welchen Einfluss das Geschlecht, die Arbeitsbedingungen und der Bildungsstand der Eltern auf die Zeitnutzung in Familien haben. Ein zentrales Thema ist die Zeit mit eigenen Kindern und wie diese durch prekäre Arbeitsbedingungen wie Schichtarbeit, Befristung und Niedriglohn beeinflusst wird. Dazu untersuche ich die Tagesverläufe von Eltern mit Kindern unter 10 Jahren im Haushalt und wie sich die Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen nach verschiedenen Parametern unterscheidet.

Judith Louise Pieper

Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD

KI für Tierwohl: Gesundheitsmonitoring zur Frühdiagnose bei Milchkühen

Wie geht es der Kuh – objektiv, kontinuierlich und ohne zusätzlichen Stress für das Tier? Das Fraunhofer IGD entwickelt KI-gestützte Kamerasysteme, die Bewegungsabläufe von Milchkühen automatisch erfassen und analysieren. Mithilfe moderner Computer Vision werden Lahmheiten und andere Krankheitsanzeichen frühzeitig erkannt – noch bevor sie offensichtlich sichtbar sind. So erhalten Landwirt*innen eine datenbasierte Entscheidungsgrundlage für gezielte Maßnahmen, mehr Tierwohl und eine nachhaltige, wirtschaftlich stabile Milchproduktion.

Maxi S. Kniffka

Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR)

Geburtsstation geschlossen – wie lange dauert die Fahrt ins nächste Krankenhaus?

Seit 2014 ist die Zahl der Geburtsstationen in Deutschland stark gesunken. Was bedeutet das jedoch für Schwangere, wenn sich die Fahrzeit zur Klinik verlängert? Ungeplante Geburten außerhalb von Krankenhäusern bergen hohe Risiken für Mutter und Kind. Ein großes regionales Ungleichgewicht ist entstanden: Von den 186 deutschlandweit geschlossenen oder umgezogenen Entbindungsstationen sind nur 27 für 90 Prozent des Anstiegs bei kritischen Fahrzeiten verantwortlich. Verlängern sich Anfahrtswege auf kritische Fahrzeiten, müssen andere Lösungen für Schwangere geschaffen werden.

Pratidhwani Biswal

Fraunhofer-Institut für Großstrukturen in der Produktionstechnik IGP

„Waste to Best“ – Vom Konzept zur Realität

Frische Luft, grüne Gärten und saubere Umwelt sind für viele Menschen selbstverständlich. Doch in zahlreichen Regionen Europas und weltweit führt Umweltverschmutzung bereits zu erheblichen Gesundheitsproblemen.

In meinem Forschungsprojekt untersuche ich, wie das Konzept „Waste to Best“ mithilfe innovativer Beschichtungstechnologien Realität werden kann. Ziel ist es, Abfallstoffe sinnvoll zu nutzen und gleichzeitig einen Beitrag zur Reduzierung von Emissionen zu leisten. Die entwickelten Ansätze verbinden Ressourcenschonung mit einem möglichen Lösungsweg zur Bekämpfung der Erderwärmung und leisten damit einen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz.

Lev Naumov

Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)

Können die Ostsee-Todeszonen wieder schrumpfen? – Spurensuche im Sauerstoffhaushalt eines Meeres

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich sauerstoffarme und komplett sauerstofffreie Gebiete am Grund der Ostsee verzehnfacht; für Fische, Muscheln, Krebse und viele andere Organismen sind dies Todeszonen. Doch wie kam es dazu – und wie könnte sich die Lage künftig entwickeln? Weil systematische Messdaten erst seit den 1980er Jahren vorliegen, rekonstruiert Lev Naumov, Postdoc am IOW, die Entwicklung per Computermodell.

Er berechnet das Sauerstoffbudget der Ostsee seit den 1940er Jahren und untersucht Prozesse, die Sauerstoff verbrauchen. Auf dieser Basis simuliert er Zukunftsszenarien: Könnten sich die Todeszonen zurückbilden – und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Luisa Zach

Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT)

Licht als Werkzeug der Chemie oder: Wie CO2 zum Rohstoff wird

Pflanzen wandeln mittels Licht Wasser und CO2 in Biomasse um, die Grundlage unserer Nahrung. Diesen Prozess im Labor zu imitieren, ist international ein heißes Thema. Denn damit würde das klimaschädliche CO2 zu einem wertvollen Rohstoff für eine nachhaltige Chemie.

Das Gas ist jedoch enorm stabil und kaum reaktionsfreudig, sodass die Forschung hier tief in den chemischen Werkzeugkoffer greifen muss. Luisa Zach nutzt am LIKAT UV-Licht, um CO2-Moleküle mit sich selbst zu kuppeln. Dadurch wird Oxalat gebildet, ein wichtiger Baustein für die chemische Industrie, der bislang auf fossiler Basis und unter hohem Energieaufwand entsteht.