Wellenlänge Wissenschaft ON TOUR – Nachlese

Bereits gehaltene Vorträge zum nachschauen

Hier sammeln wir für Euch die Präsentationen bereits gehaltener Vorträge aus unserer Reihe “Wellenlänge Wissenschaft ON TOUR”.

Wellenlänge ON TOUR – zu Gast im “Internationalen Begegnungszentrum” am 21. Mai 2026

Franz Weingärtner (AUF Uni Rostock)
„Nährstoffe im Kreislauf halten: Was Agroforstsysteme für Europas Landwirtschaft leisten können“.
Klimawandel, Artensterben und Wetterextreme setzen Europas Landwirtschaft unter Druck. Agroforstsysteme – also die Kombination von Gehölzen und landwirtschaftlicher Nutzung auf derselben Fläche – gelten als vielversprechender Ansatz, um Böden zu schützen, Wasser besser zu speichern und die Biodiversität zu fördern.
Doch wie praktikabel und wirtschaftlich sind solche Systeme? Franz Weingärtner, Doktorand an der Universität Rostock, gibt in seinem Vortrag einen anschaulichen Einblick in die Agroforstwirtschaft. Er zeigt Chancen und Herausforderungen auf und erklärt, welche Rolle die EU-Agrarpolitik dabei spielt.

Dr. Franziska Koch und Dr. Jessica Schwerdtfeger (FBN Dummerstorf)
„Doppelte Ernte: von Strom und Wolle – wie können wir Agrarsysteme in Europa verändern?“ – Das EU-Projekt „Sage“ und seine Partner
Photovoltaik stärkt die regionale Energieversorgung und macht unabhängiger von Krisen, konkurriert jedoch mit landwirtschaftlicher Flächennutzung. Eine mögliche Lösung ist die Beweidung von Solaranlagen durch Schafe, die zugleich Biodiversität fördert.
Ein europaweites Projekt erforscht diese Doppelnutzung mit dem Ziel nachhaltigerer und klimafreundlicher Systeme, auch mithilfe neuer Technologien wie virtuellen Zäunen. Franziska Koch und Jessica Schwerdtfeger vom FBN Dummerstorf untersuchen dabei Tierwohl und präsentieren ihre Arbeit bei „Wellenlänge Wissenschaft ON TOUR“.


Wellenlänge ON TOUR – zu Gast im “Restaurant Käthe” am 13. November 2025

Dr. Lev Naumov (Leibniz-Institut für Ostseeforschung – IOW)
„Ohne Atem: die Todeszonen in der Ostsee und der Klimawandel“
Wie Klimawandel und Nährstoffeinträge die Ostsee ersticken – Ursachen, Folgen und aktuelle Forschung zur Sauerstoffkrise

Seit den 1950er-Jahren sind die Sauerstoffkonzentrationen in den tiefen Becken der Ostsee deutlich gesunken. Dies hat zur Ausbreitung der sogenannten Todeszonen geführt – Gebiete, in denen es nicht genügend im Wasser gelösten Sauerstoff gibt, um komplexes Leben zu ermöglichen. Obwohl sich alle Länder, die an die Ostsee grenzen, in den letzten Jahrzehnten stark bemüht haben, die Eutrophierung, also die Anreicherung von Nährstoffen in der Ostsee, die als Hauptursache für den Sauerstoffmangel gesehen wird, zu verringern, ist bislang kaum eine Verbesserung des Zustands der Ostsee zu beobachten. Im Gegenteil: Heutzutage sehen wir die größten Flächen mit wenig (Hypoxie) oder sogar ganz ohne Sauerstoff (Anoxie) seit Beginn der Messungen. Dies spiegelt das komplexe Zusammenspiel zwischen dem Klimawandel, der für die Ostsee als eines der sich am stärksten erwärmenden Meeresgebiete weltweit besonders relevant ist, und dem vom Menschen verursachten Druck wider.

Lev Naumov, ist Postdoc am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und promovierter physikalischer Ozeanograf und erforscht die Sauerstoffdynamik in der Ostsee.

Jana Hartwig (Universitätsmedizin Rostock)
„Geburtenrückgang – ein Effekt der Klimakrise?“
Erleben der gesundheitlichen Versorgung in der reproduktiven Lebensphase – Mütterbefragung mit qualitativen Interviews im Landkreis Vorpommern-Rügen vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen

Seit 2016 sinkt die Geburtenrate in MV deutlich – besonders stark seit der Pandemie. Gleichzeitig fehlen bundesweit belastbare Daten zu den Bedürfnissen und Erfahrungen von Frauen und Familien in der reproduktiven Lebensphase. Laut Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (2023) ist die gesunde Schwangere in Deutschland über-, die kranke jedoch unterversorgt. Dies führt zu Ressourcenverschwendung, Belastung des Gesundheitssystems und Benachteiligung vorbelasteter Schwangerer. Hinzu kommen Zentralisierung der Versorgung und Hebammenmangel. Die Diplom-Medizinpädagogin und gelernte Hebamme Jana Hartwig hat untersucht, was Schwangere und junge Mütter sich wünschen, was sie bewegt und welche Rolle der Klimawandel dabei spielt. Bei Wellenlänge Wissenschaft ON TOUR präsentiert sie Frauenstimmen aus Interviews im Kontext des Zielbilds Geburtshilfe/Pädiatrie MV 2030, des 9. Nationalen Gesundheitsziels sowie der WHO-Guidelines und SDGs.

Milan Bergheim (Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung – IGD)
„Mit Drohnen Sensoren und KI die Moore retten!“
Fast alle deutschen Moore wurden trockengelegt, was sie zu einer Treibhausgasquelle macht – ein multimodaler Monitoringansatz soll dabei helfen, Moore für den Klimaschutz wieder nass zu machen.

Die Wiedervernässung von Mooren stellt wichtige Ökosystemleistungen wieder her: die Regulierung des Landschaftswasserhaushalts, die Bereitstellung von Habitaten für moortypische Arten (Biodiversität) sowie die langfristige Speicherung von Kohlenstoff im Torf. Letzteres birgt ein erhebliches Potenzial, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und damit globale Klimaschutzziele zu erreichen.
Die damit verbundene Transformation der Landschaften erfordert jedoch auch eine Anpassung der Bewirtschaftungsweisen und den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten. Das führt für landwirtschaftliche Betriebe häufig zu finanziellen Einbußen.
Im Projekt VALPEATS (Valuation of Peatland Ecosystem Services) werden Technologien für das skalierbare Monitoring von Moorflächen entwickelt, um Moor-Ökosystemleistungen zu erfassen und in Wert zu setzen. So können landwirtschaftliche Betriebe durch klimafreundliche Bewirtschaftung zusätzliches Einkommen erzielen.
Milan Bergheim, Produktdesigner, entwickelt diese Technologien gemeinsam mit einem interdisziplinären Team am Fraunhofer IGD in Zusammenarbeit mit der Universität Greifswald.